Nachhaltigkeit – ein Erklärungsversuch

Nachhaltig, grün, slow, umweltfreundlich, fair, ressourcenschonend,bio, ökologisch… Die Liste der Ansprüche, die der verantwortungsvolle Verbraucher heute stellen sollte wird immer länger, aber was steckt eigentlich dahinter? Warum ist es so wichtig, dass wir sie auch wirklich in unseren Alltag integrieren?

Warum ist es so wichtig, uns Gedanken um Nachhaltigkeit zu machen?

Im Prinzip können wir zwischen zwei Hauptargumenten unterscheiden. Auf der einen Seite steht die Verantwortung gegenüber der Menschheit als solche, sowohl gegenüber den aktuellen, als auch gegenüber zukünftiger Generationen. Hans Jonas zum Beispiel beschäftigt sich in seinem Werk Das Prinzip Verantwortung mit einer Ethik für die technologische Zivilisation. Darin erläutert er zum Beispiel, warum wir von einer Nächstenliebe zur „Fernstenliebe“ kommen müssten und erklärt die Verantwortung des Menschen für vergangene und zukünftige Generationen, sowie für fremde und entfernte Kulturen. Dabei geht er von einer Pflicht des Menschen zur Existenz aus – was nichts anderes bedeutet, als dass wir unser Handeln auch am Fortbestand der Spezies Mensch orientieren müssen.

Verantwortung ist ein Stichwort, dem wir uns nicht entziehen können. Gerade jetzt, im Zeitalter der Globalisierung, erstreckt sich die Gesellschaft, in der wir leben, über den gesamten Erdball, folglich auch die Verantwortung für unsere Mitmenschen. Ich denke schon, dass unser Ziel sein sollte, allen Menschen ein Leben in Anstand und Würde zu ermöglichen, dafür zu sorgen, dass alle die gleichen Chancen und Rechte besitzen und die Ausbeutung zu beenden. Wie kann es sein, dass ein Großteil der Welt in Armut lebt und die Drecksarbeit für den anderen Teil erledigt? Wie kann es sein, dass ein Teil in unnötigem Luxus lebt, während der andere nicht mal sauberes Wasser zur Verfügung hat? Für uns alle steht irgendwie erstmal das eigene Leben im Vordergrund, unser Komfort, unsere Gesundheit und unser Glück, deshalb bemerken wir meist gar nicht, wie unsere täglichen Entscheidungen das Leben von Menschen beeinflussen, die wir nicht einmal kennen.

Genauso wie Hans Jonas finde ich aber auch, dass Verantwortung kein zeitgebundener Begriff ist. Wir sollten uns vor Augen führen, dass die Entwicklung unserer Gesellschaft bestimmt, wie die Welt in ein paar Jahrzehnten oder Jahrhunderten aussehen wird. Klar, vielleicht ist das Bild von grünen Wiesen und Weltfrieden utopisch, aber sollte uns das daran hindern, auf dieses Ziel hinzuarbeiten? Ich glaube nicht. Mich persönlich würde es sehr ärgern, wenn ich dank meiner Vorfahren in einer zerstörten, zugemüllten Welt leben müsste und vor lauter Dreck in der Luft nicht ohne Atemmaske aus dem Haus gehen könnte. Bis jetzt haben wir noch keinen anderen Planeten gefunden, auf dem wir leben könnten, aber selbst wenn…Wo liegt der Sinn darin etwas zu zerstören, nur weil man etwas anderes hat? Und wäre ein anderer Planet genauso schön wie dieser hier?

Auf der anderen Seite steht die Frage nach dem inneren Wert von Natur und nichtmenschlichen Lebewesen. Natur und Umwelt zu schützen, weil sie dem Menschen dient, ist eine Sache, sie zu schützen, weil sie genauso wertvoll sind wie wir Menschen, ist eine andere. Die Annahme, Natur als solche habe ihren eigenen Wert allein dadurch, dass sie existiert, stellt unser Wertesystem deutlich infrage. Wir essen Fleisch, weil es von sogenannten „Nutztieren“ stammt, wir zerstören Biotope, um eine Autobahn hindurch zu bauen, wir roden Wälder, um mehr Platz zu haben…und in all diesen Aktionen stellen wir uns über alle anderen, weil wir denken das Menschsein gäbe es uns alle Rechte. Wir nehmen uns alles, was wir wollen, ohne etwas zurückzugeben, ohne Rücksicht auf Verluste. Woher nehmen wir diese Selbstverständlichkeit? Ist sie moralisch begründbar?

(Wie) Können wir die Welt verändern?

Natürlich können wir. Vielleicht nicht von heute auf morgen und vielleicht können wir die Lösung auch nicht einfach so aus dem Handgelenk schütteln, aber wir können für uns selbst Entscheidungen treffen, von denen wir wissen, dass sie eine nachhaltige und faire Zukunft für alle fördern. Wir können uns zurückbesinnen auf lokale und saisonale Alternativen, auf Handwerk statt auf Industrieware und auf unseren Sinn für Gerechtigkeit. Wir haben die Wahl, ob wir uns dem Konsumzwang hingeben, oder ob wir aufgeklärte Entscheidungen treffen wollen. In der Regel können wir bestimmen, ob wir mit unserem Geld einen Konzern bereichern wollen, der Arbeiter am anderen Ende der Welt ausbeutet, uns mit Chemikalien vergiftet und den Regenwald abholzt, oder ob lieber einen Landwirt aus der Region unterstützen, der nicht mehr Lebensraum zerstört, als er auch wirklich braucht und uns nebenbei mit gesunden Nahrungsmitteln versorgt. Mit den technischen Möglichkeiten, die wir haben, können wir vieles – das heißt aber nicht, dass wir auch müssen und gerade bei so viel Optionen ist bewusstes Handeln das A und O.

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