How to: Eine Fremdsprache lernen

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Spanisch ist nach Französisch und Englisch meine dritte Fremdsprache. Fünf Jahre lang hatte ich Spanischunterricht in der Schule und trotzdem konnte ich nicht reden, als ich Ende August 2015 in Argentinien ankam.  Inzwischen kann ich mich flüssig verständigen, diverse Akzente auseinanderhalten und über vielfältige Themen ohne größere Probleme reden. Wie habe ich gelernt? Was hat mir geholfen? Wie merke ich mir Vokabeln und Grammatik?

Aller Anfang ist schwer, das gilt leider auch beim Fremdsprachenlernen. Französisch habe ich als schwerste Sprache in Erinnerung, weil es meine erste war. Englisch war leichter, Spanisch am leichtesten. Warum? Weil ich immer mehr Vokabeln verknüpfen konnte („Ah! Genau wie im Englischen…“) und Grammatikregeln schon kannte, bzw. sie nur leicht abändern musste.

Im Prinzip gibt es nur zwei grundlegende Situationen, in denen wir eine Sprache lernen.      1. Wir sind im eigenen Land und lernen eine fremde Sprache, entweder in der Schule, in einem Kurs oder autodidaktisch, vielleicht mit Hilfe einer App oder einer Internetseite oder 2. Wir sind in einem fremden Land und müssen wollen die Sprache lernen, die dort gesprochen wird, um uns zu verständigen und Kontakte zu knüpfen. Je nachdem, in welcher Situation wir uns befinden, lernen wir auf andere Art und Weise.

Wenn wir im eigenen Land sind und zum Beispiel in der Schule eine Fremdsprache lernen, gehen wir das Ganze oft systematisch an. Wir beginnen mit einfachen Vokabeln, den ersten Verbkonjugationen im Präsens, dann Grammatikregeln, vertieftes Vokabular und ausgefeiltere Grammatik, bis wir schließlich komplexe Texte schreiben und lesen können. Ja, schreiben und lesen, denn Sprechen und Verstehen kommen im Unterricht oft zu kurz, erst recht wenn wir alleine mit einem Textbuch zu Hause sitzen. Trotzdem ist es wichtig, solche Dinge zu lernen, deswegen hier meine Tipps:

  • Legt euch ein Vokabelheft an. Klingt offensichtlich, wird oft aber unterschätzt, denn: Wenn wir etwas niederschreiben, lernen wir es schneller.
  • Ordnen hilft: Wenn euer Lernbuch in Kapitel und Lektionen unterteilt ist, könnt ihr ein entsprechendes Inhaltsverzeichnis anlegen und findet so spezielle Vokabelgruppen schneller. Die chronologische Anordnung erleichtert auch das regelmäßige Wiederholen.
  • Merkt euch Wörter in Gruppen: Findet Gegensatzpaare, wenn ihr also „klein“ lernt, merkt euch „groß“ gleich dazu, versucht ihr euch „Schlaf“ zu merken, lernt es zusammen mit „schlafen“. Ihr könnt die Vokabeln auch nach Themen sortieren, z.B. „Farben“, „Räume“, „Persönlichkeitsmerkmale“, „Verben“, etc., das hilft beim Einordnen und Verknüpfen.
  • Werdet kreativ: Ein Vokabelheft muss nicht einfach nur ein langweiliges Heft mit einem Strich in der Mitte sein. Kleine Zeichnungen, Farben, bunte Bilder, aber auch eine übersichtliche Gliederung helfen, Vokabeln zu lernen.
  • Legt euch ein Grammatikheft an, in dem ihr alle Regeln niederschreibt, die ihr lernt. So habt ihr immer alles auf einen Blick und kommt nicht in Schwierigkeiten, wenn ihr Arbeitsblätter verliert, oder das Textbuch wechselt. Es hilft auch, dieses Heft nach Themen zu ordnen, z.B. „Zeitformen“, „Verbkonjugationen“, etc.
  • Wiederholt regelmäßig: Ja, auch ich habe lange Zeit Bulimie-Lernen betrieben, weil es einfach einfacher ist, Lernstoff nach der Klausur direkt wieder zu vergessen, aber am Ende bleibt so nicht viel hängen. Hierbei kann ein Karteikartensystem nützlich sein, das auch zum selbstständigen Abfragen dienen kann.
  • Redet und Hört: Letztendlich hilft es wenig, wenn man eine perfekte Buchrezension auf Französisch verfassen, dann aber nicht einmal ein Glas Wasser im Restaurant bestellen kann. Ich spreche aus Erfahrung. Meine Lehrerin hat uns immer dazu ermuntert zuhause mit uns selbst zu reden und sie hatte völlig recht, denn nur so bekommt man Übung darin, die Vokabeln auch auszusprechen, die man übt. Es hilft auch schon, die Wörter laut aufzusagen, wenn man sie lernt. Um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen und sich „reinzuhören“ ist es gut, sich Filme (anfangs mit Untertiteln), YouTube-Videos, Musik oder Fernsehprogramme in der anderen Sprache anzuhören. Auch wenn man am Anfang nichts versteht: Mit der Zeit wird man immer mehr und mehr Wörter raushören können, und bald sogar den Inhalt verstehen.
  • Sucht euch einen Lernpartner: Im Internet gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Lernpartner zu finden, sogenannte „Tandempartner“, die im Idealfall die Sprache, die du lernen willst, als Muttersprache sprechen, und deutsch lernen wollen.

 

Was aber hilft, wenn man schon im fremden Land ist und einfach nichts versteht, wenn man von Leuten zugetextet wird, die sich konstant weigern, ihr Sprechtempo auch nur ein bisschen zu verringern?

  • Geduld haben: Auch wenn ihr gerade am verzweifeln seid, irgendwann wird alles besser.
  • Nachfragen: Keiner erwartet, dass ihr beim ersten Mal alles versteht. Es ist völlig normal, wenn ihr Vokabeln nicht kennt oder drei Mal nachfragen müsst, bis ihr überhaupt einzelne Wörter aus dem Satz heraushört. Ihr helft euch allerdings nicht, wenn ihr einfach nur nickt und lächelt, obwohl ihr nur Bahnhof verstanden habt.
  • Vokabeln direkt aufschreiben: Habt immer eine Möglichkeit dabei, euch neu gelernte Wörter direkt aufzuschreiben. Wenn ihr dann zu Hause seid, könnt ihr sie im Wörterbuch nachschlagen und korrekt aufschreiben. Auf diese Weise verknüpft ihr die Vokabel mit einer bestimmten Situation und merkt sie euch leichter.
  • Reden: Traut euch! Sprache kommt von Sprechen, also habt keine Angst davor, Fehler zu machen. Vorgemacht hat es mir eine kanadische Praktikantin, die zusammen mit mir hier in Argentinien ankam und ein vom Vobakelumfang und den Grammatikkenntnissen her schlechteres Spanisch als ich hatte, aber trotzdem mehr geredet hat. Sie hatte einfach keine Hemmungen davor, Fehler zu machen und hat auf ihre Weise alle Leute um sich herum zugetextet und…wurde verstanden! Es braucht eben keine komplizierten Schachtelsätze, um sich zu unterhalten.
  • Zuhören: Okay, das ist vielleicht sehr offensichtlich, aber Zuhören war etwas, das ich hier erst lernen musste. Ich hatte die schlechte Angewohnheit mitten im Satz abzuschalten, wenn mir jemand etwas erzählt hat. Im Deutschen war das kein Problem, wenn ich Anfang und Ende hörte, konnte ich mir den Mittelteil immer zusammenreimen, bei Fremdsprachen funktioniert das nicht. Hier ist, vor allem am Anfang sehr viel Konzentration auf das Gegenüber gefragt und die Bereitschaft, für die Unterhaltung auch mal auf Multitasking zu verzichten.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Erfahrungen und Tipps ein bisschen weiterhelfen und wünsche euch viel Spaß beim Lernen! Und glaubt mir: Es lohnt sich. Mit einer Sprache eröffnen sich ganz neue Welten.

 

 

 

 

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4 Antworten zu How to: Eine Fremdsprache lernen

  1. Rüdi schreibt:

    Super!

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  2. Liebe Miss Margarite, habe deinen Blog gerade entdeckt und finde deine Themen sehr interessant. Bin immer motiviert, etwas neues zu beginnen oder etwas altes zu ver(schlimm)bessern. Jetzt müssen meine Spanischkenntnisse dran glauben 😉 Danke für deine Tipps.
    P.S.: Da ich deinen Bog erst heute entdeckt habe, bin ich noch nicht ganz auf dem Laufenden und vielleicht gibt es den entsprechenden Post auch schon; aber was mich wirklich interessieren würde: hast du das gefühl, dank deinem FSJ eine gute Idee bekommen zu haben, was du später im Beruf machen willst? Ich bin nämlich immer etwas skeptisch, ob das funktioniert….

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    • missmargarite schreibt:

      Hallo moechtegernmediziner,
      vielen Dank für das nette Feedback! Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, dein Spanisch zu verbessern und hoffe, mein Artikel ist dir dabei zu etwas nütze ;). Tatsächlich gibt es noch keinen Artikel, der deine Frage beantworten könnte, es ist aber einer in Arbeit… Was ich beruflich machen möchte, wusste ich schon vorher relativ genau, das FSJ hat mich nur noch einmal über meine Motivation klar werden lassen. Liebe Grüße!

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