Mach’s anders-Mittwoch #20

Wir alle kennen sie, die drei R’s des grünen Lebens: Reduce, Reuse, Recycle. (zu deutsch: reduzieren, wiederverwenden und recyceln) Allerdings gibt es noch mehr: In den nächsten Wochen möchte ich euch die sechs R’s des grünen Lebens erklären und näher bringen: Refuse, Reduce, Reuse, Repair, Recycle, Re-Think!!  (verweigern, reduzieren, wiederverwenden, reparieren, recyceln, überdenken!)

Im ersten Teil der Serie habe ich mich bereits mit dem ersten R „Refuse“ auseinandergesetzt, heute steht deshalb das zweite an. Reduce (zu deutsch: reduzieren) ist eine weitere gute Möglichkeit, im Alltag die Umwelt zu schützen.

Mehr ist eigentlich ein kleines, unscheinbares Wörtchen, das aber ziemlich häufig in unserem Alltag auftaucht und inzwischen eine enorme Bedeutung hat. Schon im Kindergarten erfahren wir: Das Kind mit den meisten Süßigkeiten ist King. Wir lernen, dass es immer darum geht, „mehr“ zu haben, „mehr“ zu sein und „mehr“ zu können. Größer, schneller, besser – wir leben in der Zeit der Superlative. Die Gleichung ist eigentlich einfach: mehr Bildung -> mehr Gehalt -> mehr Kaufkraft -> mehr Status -> mehr Glück. Es dürfte inzwischen allgemein bekannt sein, dass Geld und Konsum nicht glücklich machen, trotzdem hangeln wir uns von einem Shoppingtrip zum anderen, suchen unser persönliches Glück irgendwo zwischen einem hervorragendem Universitätsabschluss und der nächsten Gehaltserhöhung.

Doch es gibt auch einen Gegentrend. Minimalisten machen es uns vor: Man braucht keine materiellen Dinge, um glücklich und zufrieden zu sein. Natürlich ist es nicht für jeden etwas, auf jegliche Bequemlichkeit zu verzichten, die wir uns mit Geld erkaufen könnten, aber von diesen Menschen, die ihren Besitz auf das Nötigste reduzieren, können wir durchaus etwas lernen. Im Hintergrund steht immer die Frage nach dem, was wir wirklich brauchen. Was brauchen wir, um zu leben? Was brauchen wir, um uns wohl zu fühlen? Was brauchen wir, um glücklich zu sein?

Die Antwort, vor allem auf die letzten zwei Fragen, ist eine sehr persönliche Sache, wird aber oftmals von außen beeinflusst. Freunde, Familie, Werbung, Medien…sie alle steuern mehr oder weniger bewusst, was wir wollen und was wir uns kaufen. Auf der einen Seite steht also der Wunsch nach Konsum, der sehr eng mit dem Wunsch nach Anpassung verbunden ist, oder aber mit Konkurrenzdenken.Auf der anderen Seite steht die Angst vor dem Wegwerfen. „Das könnte man ja nochmal gebrauchen.“ ist eine passende Ausrede, um sich nicht von etwas trennen zu müssen. Wir fangen an zu sammeln, zu lagern und zu horten, bis wir selbst den Überblick verloren haben, wo was ist und wieviel wir eigentlich haben. Und letztlich – seien wir ehrlich! – verwenden wir kaum etwas noch einmal, das wir zur Seite gelegt haben. Ein Teufelskreis.

Jedes Mal, wenn wir Geld ausgeben, hat das nicht nur Auswirkungen auf uns, sondern auch auf die Umwelt. Wir müssen bedenken, dass jedes Produkt irgendwie hergestellt wurde und mit großer Wahrscheinlichkeit auch verpackt ist. Je stärker verarbeitet ein Produkt ist, desto mehr Ressourcen waren nötig, um es zu produzieren. Das gleiche gilt für den Ursprung: Je exotischer, desto mehr Treibstoff wurde für den Transport benötigt.

Aber was genau hat es jetzt mit Reduce! auf sich? Reduzieren beginnt vor und während des Kaufaktes. Das Ziel ist es, möglichst wenige endliche Ressourcen zu verbrauchen, CO2 zu emittieren und Müll zu produzieren. Folgende Fragen können dabei helfen, eine nachhaltige Kaufentscheidung zu treffen:

  1. Brauche ich das Produkt wirklich, oder kaufe ich es, weil es gerade in Mode ist?
  2. Habe ich etwas zuhause, was denselben Zweck erfüllen würde?
  3. Habe ich das Produkt vielleicht schon und müsste es nur reparieren? Habe ich vielleicht Materialien zuhause, um das Produkt selbst herzustellen?
  4. Kann ich das gebraucht kaufen?
  5. Wie wurde das Produkt hergestellt? Wurden natürliche, nachwachsende Rohstoffe verwendet? Wurden viele Ressourcen und Arbeitsschritte benötigt? Wurde es unter fairen Bedingungen hergestellt?
  6. Wo wurde es produziert? Kommt es aus der Region oder von weit her? (Bei Nahrungsmitteln: Ist es die richtige Saison oder wurde es vielleicht in einem Kühlhaus gelagert?)
  7. Was braucht es, um dieses Produkt zu erhalten? Strom? Ständige Pflege? Regelmäßig neue Batterien? Ist es einfach zu reparieren?
  8. Wieviel Müll fällt an, wenn ich dieses Produkt kaufe? Diese Frage zielt vor allem auf Produktverpackungen und Einwegprodukte ab, die nach dem ersten Gebrauch weggeworfen werden.

Auf den ersten Blick sind das ziemlich viele Kriterien und es scheint, dass man sich ziemlich einschränken muss. Reduzieren…das klingt eben so nach vermindertem Lebensstandard und nach Verzicht. Eigentlich ist aber das Gegenteil der Fall, denn es gilt: Weniger Masse, mehr Qualität. Laut einer Studie trägt die Hälfte der Deutschen nur 50% der Klamotten in ihrem Kleiderschrank. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die anderen 50% nur Platz wegnehmen und morgens die Entscheidung erschweren, was wir anziehen. Ich bin mit einem Koffer und einem Rucksack nach Argentinien gekommen. Der Rucksack war dabei größtenteils gefüllt mit Büchern und Schokokeksen, deshalb kann ich sagen, ich habe nur einen Koffer voll Klamotten für ein ganzes Jahr. Die genaue Stückzahl kenne ich nicht, aber es ist deutlich weniger, als in meinem Kleiderschrank in Deutschland zu finden ist und ich kann mit Fug und Recht behaupten: Es reicht. Natürlich, meine Outfits wiederholen sich regelmäßig  und ab und an würde ich schon ganz gerne was Anderes anziehen, aber im Großen und Ganzen ist es ausreichend. Es ist Ewigkeiten her, dass ich morgens vor dem Schrank stand und überlegt habe, was ich anziehe. Dadurch, dass ich weniger Möglichkeiten habe, fällt die Entscheidung sehr viel leichter und schneller.

Was zuerst nach einer großen Einschränkung aussah, hat sich letztlich als ein kleines Stück Lebensqualität herausgestellt und ich werde auch Konsequenzen daraus ziehen: Wenn ich wieder zuhause bin, wird mein Kleiderschrank ausgemistet und alle Teile, die ich nicht mehr anziehe, werden einem Second-Hand-Laden übergeben.

Ich könnte noch weitere Vorteile aufzählen, von der Müllvermeidung (wer keinen Müll produziert, muss auch keinen rausbringen – ist das nicht Anreiz genug?) über die Schonung von natürlichen Ressourcen, bis hin zur Unterstützung der Gemeinschaft, wenn wir Dinge zur Verfügung stellen, die wir selbst nicht mehr brauchen.

Ich werde mich in Zukunft dieser Herausforderung stellen: Reduce!                                                Ich hatte diese Phase in meinem Leben, in der ich meinte, kaufen mache glücklich und deshalb regelmäßig auf Raubzug in Kaufhäuser gegangen bin. Die neuesten und angesagtesten Sachen besitzen, das war mein Ziel, aber hey, nicht jeder ist immer perfekt. In Zukunft werde ich versuchen diese schlechte Angewohnheit abzustellen und mehr darauf zu achten, was, wie und warum ich kaufe. Ich würde mich freuen, wenn ihr diesen Schritt mit mir geht.

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5 Antworten zu Mach’s anders-Mittwoch #20

  1. Pingback: Mach’s anders-Montag #21 | missmargarite

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  3. Rüdi schreibt:

    Man kann sich eine Regel aufstellen: Was ich (z.B.) 10 Jahre lang nicht angefasst habe, werde ich auch die nächsten 10 Jahre nicht anfassen, also weg damit. Es gibt Ausnahmen wie die Geburtsurkunde 😉

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  4. Pingback: missmargarite

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