Mach’s anders-Montag #19

Wir alle kennen sie, die drei R’s des grünen Lebens: Reduce, Reuse, Recycle. (zu deutsch: reduzieren, wiederverwenden und recyceln) Allerdings gibt es noch mehr: In den nächsten Wochen möchte ich euch die sechs R’s des grünen Lebens erklären und näher bringen: Refuse, Reduce, Reuse, Repair, Recycle, Re-Think!!  (verweigern, reduzieren, wiederverwenden, reparieren, recyceln, überdenken!)

Das erste Wort in der Liste ist „Refuse“, also etwas verweigern, und damit kommen wir relativ schnell zu einer Fähigkeit, die in unserer Konsumgesellschaft immer mehr verloren geht: Nein sagen!

Nein sagen ist absolut out. Es wurde uns abtrainiert. Es ist unhöflich, ein angebotenes Getränk abzulehnen, ein Geschenk nicht zu akzeptieren und für Einladungen, auf die wir keine Lust haben, denken wir uns lieber irgendwelche Ausflüchte aus, als einfach „nein“ zu sagen. Fernsehen und Zeitschriften suggerieren uns mit ihrer Werbung, dass wir viel brauchen, dass wir kaufen müssen, um glücklich zu sein, und: Wer nein sagt, verpasst etwas. Im Zeitalter der unendlichen Möglichkeiten scheint das unser großer Horror zu sein: Eine Möglichkeit nicht wahrzunehmen. Wie, du hast den neuen Film mit Brad Pitt noch nicht gesehen? Wie, du warst auf Mallorca im Urlaub ohne diese Bar mit den endleckeren Cocktails auszuprobieren? Wie, es ist schon mehr als einen Monat her, dass du dir was Neues zum Anziehen gekauft hast?

Fragen wie diese können richtig unangenehm sein. Sie geben uns das Gefühl, nicht dazuzugehören, aus einem geheimen Kreis ausgeschlossen worden zu sein. Und manchmal können wir uns einfach nicht entscheiden, weil wir Angst haben, uns diese Fragen danach selbst stellen zu müssen. Wir haben ein schlechtes Gewissen, weil wir eben statt der Partynacht mit Freunden einen netten Leseabend auf der Couch verbracht (wie uncool!) oder unser Geld lieber in neue Tomatenpflanzen als in einen Ausflug in den Freizeitpark investiert haben.  Tut mir leid, du hast da gerade echt das Leben verpasst. Und weil du immer älter wirst, kannst du das auch nicht mehr nachholen. So sorry. 

Aber mal ganz ehrlich: Es ist toll, nein zu sagen! Es bedeutet uns zu respektieren, unsere Wünsche und Bedürfnisse zu entdecken und zu akzeptieren. Wenn wir nicht wollen, wollen wir eben nicht und da hat niemand ein Recht, uns reinzureden, auch wenn er sich dann vielleicht auf die Füße getreten fühlt.

Nein, ich werde nicht auf deine Party kommen, aber vielen Dank für die Einladung. Nein danke, Sie brauchen das nicht einzupacken, ich habe eine Tüte. Nein danke, ich möchte keine kostenlosen Flyer. Nein danke, ich brauche keine Werbegeschenke.

Und (ich werde noch einen ausführlicheren Post dazu erstellen) ganz wichtig für alle Frauen: Nein, ich möchte nicht mit dir reden. Nein, lass mich in Ruhe. Nein, fass mich nicht an. Nein, ich möchte keinen Sex mit dir. Nein, deine Meinung über meinen Körper interessiert mich nicht.

Wir haben das RECHT nein zu sagen, sei es zu Gegenständen, zu Möglichkeiten oder zu Personen und wir sollten uns trauen, es wahrzunehmen. Wenn wir nein zu allem sagen, was uns belastet, werden wir ein freieres Leben führen können. (Für mehr Tipps wie Sie glücklich und zufrieden werden, schließen Sie sich bitte unserer Sekte an). Nein-Sagen ist ein Schritt, uns vom Konsumwahn loszulösen. Wenn wir lernen, alles abzulehnen, das wir nicht brauchen, sind die Folgen absehbar: Wir haben weniger, was wir verstauen, pflegen und benutzen müssten. Wir haben mehr Raum für die Dinge und Tätigkeiten, die uns Spaß machen und uns ausfüllen und ganz nebenbei produzieren wir weniger Müll.

Ich möchte also, dass ihr kurz innehaltet, bevor ihr das nächste Mal gedankenlos ja zu allem sagt. Stellt euch folgende Fragen: Brauche ich das wirklich? Werde ich diesen Gegenstand oft benutzen oder nur einmal im Jahr? Werde ich diese Tätigkeit genießen oder mache ich das nur, weil es von mir erwartet wird? Habe ich das schon (gemacht)? Habe ich den Platz, um diesen Gegenstand zu verstauen? Kann ich es gegebenenfalls wiederverwenden oder recyceln? Ist es langlebig? Gibt es eine nachhaltige Alternative, oder eine, die sich besser anfühlt?

Folgende Gedanken solltet ihr sofort verbannen: Was wird XY von mir denken? Wird XY sauer sein? Vielleicht kann ich das ja doch mal gebrauchen. Vielleicht verpasse ich den Moment meines Lebens, wenn ich da jetzt nicht hingehe. Es ist gratis, warum sollte ich es nicht mitnehmen?

Also bitte, jetzt einstimmig: Nein danke, das brauche ich nicht. Nein danke, das habe ich schon. Nein danke, das möchte ich nicht. Nein, das will ich nicht. Nein!

 

 

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