Die Terminator-Realität

„Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in einer Umwelt, die von Technologie erschaffen wurde […]. Wir müssen darüber reden, wie diese neue informationelle Gesellschaft gestaltet werden soll.“

In einem Interview mit der taz warnt der italienische Philosoph Luciano Floridi davor, dass wir unser Leben zu sehr an die digitale Welt anpassen und so die Freiheit verlieren, die Gesellschaft zu verändern. Doch ist dem wirklich so?

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Es stimmt schon, dass die Technologie unser Leben deutlich beeinflusst. Wo wären wir heute ohne Computer, ohne Internet? Informationsaustausch wäre sehr viel langsamer, vor mir auf dem Tisch würde eine Schreibmaschine stehen und dieser Blog würde nicht existieren. Ich könnte mein Konto nicht übers Internet verwalten, meine Eltern würden nur alle paar Wochen (wenn überhaupt) einen Brief von mir erhalten und Nachrichten aus Deutschland könnte ich auch nicht lesen.

Die Digitalisierung bringt schon so ihre Vorteile, die ich aus meinem Leben nicht mehr wegdenken möchte. Vor ein paar Jahrzehnten noch Zukunftsvision, hat das Internet heute einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft erreicht und – da hat Herr Floridi wohl recht – wir leben immer mehr online, verbringen immer mehr Zeit in der virtuellen Welt, statt in der Realität. Ich beginne und beende meinen Tag mit dem Handy in der Hand – zwar nur um den Wecker ein- oder auszustellen, aber trotzdem. Seit ich hier in der Fundación arbeite verbringe ich so viel Zeit wie nie vor dem Computerbildschirm und frage mich schon ab und an, wie mein Leben ohne wäre.

Würde ich mehr lesen? Würde ich mich öfter und länger mit den Menschen in meiner Umgebung unterhalten? Hätte ich in der Schule mehr gelernt, wenn nicht jede Information sofort bei google abrufbar gewesen wäre?

Ich wiederhole: Ich möchte das Internet nicht vermissen und bin ganz froh, Computer und Drucker und so nutzen zu können.Die Frage ist allerdings: Dient die Technologie uns, oder wir ihr? In dem Moment, in dem ein Mensch auf reale Erfahrungen verzichtet, um im Internet zu sein…bestimmt dann die Technik sein Leben?

Luciano Floridi nennt weitere Beispiele von der Macht der Technologie, vom Computersystem, das über die Kreditwürdigkeit eines Bankkunden entscheidet bis hin zu den unbemannten Drohnen, die auf Knopfdruck Menschen töten. Spätestens hier müssten wir uns doch fragen, inwieweit Maschinen die Menschen ersetzen können. Klar – es ist sehr viel einfacher einen Knopf zu drücken und die Drohne die unangenehme Arbeit erledigen zu lassen, aber ist nicht genau das das Problem? Entfernen uns die neuen technischen Möglichkeiten von den Konsequenzen unseres Handelns? Sie erleichtern uns, die Dinge mit mehr Abstand zu betrachten und mit weniger Gefühl und sie helfen uns, Entscheidungen zu treffen, ob das jetzt der Computer auf der Bank tut, der die Kreditwürdigkeit beurteilt, oder der Algorithmus, der entscheidet welche Werbung wir sehen, er beeinflusst unser Denken und Handeln, vielleicht sogar unser Leben.

Was ist das Problem? Floridi beantwortet diese Frage am Beispiel einer Software, die die Polizeiarbeit unterstützt und vorhersagt, wo es Straftaten geben könnte – auf Basis eines Algorithmus, der Erdbeben vorhersagt. Nur das unsere Gesellschaft nicht aus Erdbeben besteht. Soziale Dynamiken von einer Software vorhersagen lassen, die nur begrenzte Parameter kennt, die sie wahrscheinlich gar nicht versteht, damit geben wir die Verantwortung für das ab, was in unserer Gesellschaft passiert. Wir konzentrieren uns auf die Folgen von vielen Umständen, in diesem Fall das Verbrechen, anstatt an uns, an der Gesellschaft, zu arbeiten und eine Welt zu schaffen, in der keiner mehr zum Verbrecher wird oder werden muss. In diesem Beispiel nimmt uns die Nutzung der Technologie ein Stück Freiheit, die Dinge zu verändern.

Computer werden nie Menschen ersetzen können, daran glaube ich nicht. Klar können sie vieles besser, schneller, zuverlässiger, aber solange sie auf Basis von Algorithmen arbeiten, wird ihnen immer ein großer Teil menschlicher Intelligenz fehlen. Dabei geht es weder um Wissen noch um Strategie, sondern um Ethik und Emotionen. Eine Vielzahl unserer Entscheidungen, die wir täglich treffen, wird von unseren Erfahrungen, Emotionen und von unserem Wertesystem beeinflusst, die vermutlich nie in einem Algorithmus ausgedrückt werden können. Unsere Entscheidung folgen also nicht nur einem Muster, sie sind komplex und…human. Wird also eine Welt, je mehr Entscheidungen wir an Maschinen abgeben, inhumaner?

 „Ist die Maschine das Problem – oder der Idiot hinter der Maschine […]?“

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Eine Antwort zu Die Terminator-Realität

  1. Rüdi schreibt:

    Wohl keine Erfindung/Entwicklung war nur positiv, sondern barg immer die Möglichkeit der Nutzung zum Zweck größerer Macht („Missbrauch“) oder was auch immer auf Kosten der Allgemeinheit.

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