Was dem Deutschen sein Kaffee, ist dem Argentinier sein Mate..

Quizfrage: Woran erkennt man einen Argentinier?

Antwort: An dem Mate in der Hand und der Thermoskanne unterm Arm.

Mate ist ein Aufgussgetränk, also praktisch ein Tee, aus den Blättern des Ilex paraguariensis (auch bekannt als Mate-Strauch), einer Stechpalme. Schon vor der Kolonialisierung wurde Mate von den Ureinwohnern getrunken und auch heute noch trinken viele Bewohner Argentiniens, Paraguays, Uruguays und Chiles regelmäßig Mate.

Die Blätter werden noch heute überwiegend von wild wachsenden Sträuchern geerntet, nur sehr wenig wird in Kultur angebaut. Für die Herstellung werden sowohl die Blätter, als auch die Äste verwendet. Diese werden dann entweder direkt geröstet oder etwa einen Monat lang fermentiert. Danach werden beide Sorten zerkleinert und getrocknet. Je nach Region werden die Blätter unterschiedlich grob zerkleinert oder sogar gemahlen, hier in Argentinien bleiben jedoch relativ große Stückchen übrig.

Mit Mate werden einige positive Eigenschaften verbunden. Vor allem wirkt er anregend und gibt  Energie, da er Koffein enthält, außerdem wirkt er anregend für die Verdauung. Weiterhin werden ihm hungerstillende und leistungssteigernde Wirkungen zugeschrieben. Seit ich hier in Argentinien bin, also seit mehr als einem halben Jahr, trinke ich nun mehr oder weniger regelmäßig Mate, da er auch einen sozialen Charakter hat, auf den ich gleich zu sprechen kommen werde. Durchaus bestätigen kann ich also die anregende Wirkung von Mate, da ich nie einschlafen kann, wenn ich ihn zu spät zu mir nehme. Er ist auch perfekt für das Mittagstief nach dem Essen und vollbringt wahre Wunder.

Der Geschmack von Mate lässt sich wohl am ehesten mit dem von grünem Tee vergleichen, ein bisschen grasig, je nach Sorte bitter und, naja, …grün eben.                                   Das Wichtigste am Mate ist jedoch nicht der Geschmack, sondern seine soziale Komponente. Er wird kaum alleine getrunken, sondern meistens zusammen mit anderen Menschen. So auch in der Fundación: Eines der ersten Dinge, die jeden Tag erledigt werden, ist Mate zubereiten. Und das funktioniert so:

Mate kann man aus unterschiedlichen Gefäßen trinken, typisch sind jedoch Gefäße aus getrocknetem und ausgehöhltem Flaschenkürbis, einer sogenannten Kalebasse. Weiterhin  verbreitet sind Gefäße aus Holz oder Ton, eher selten aus Metall oder Glas. Zu diesem Gefäß gehört immer ein Strohhalm, die sogenannte Bombilla (sprich: Bombischa), der normalerweise aus Metall gefertigt wird. Das Ende dieser Bombilla besteht meistens aus einem Sieb, welches das Aufsaugen der Blätter verhindert.

In dieses Gefäß, in Argentinien schlicht „Mate“ genannt, wird nun die „yerba“, also die kleingeschnittenen und getrockneten Blätter, gefüllt. Dann wird die Öffnung des Mate mit der Hand zugedeckt und alles kurz umgedreht, damit der feine Staub auf die Hand fällt und so aussortiert wird. Ein bisschen kaltes Wasser wird nun vorsichtig auf einer Seite auf die yerba gegossen und an diesem Punkt die Bombilla hereingebrochen, bis das Ende den Boden berührt. Nun wird Wasser erwärmt, allerdings darf es nicht anfangen zu kochen, ideal sind etwa 70-95°C, je nach Geschmack. Das Wasser wird in eine Thermoskanne gefüllt und der Mate kann nun getrunken werden.

Ich persönlich vergleiche das Matetrinken immer mit dem Rauchen der Friedenspfeife bei den Indianern. Derjenige, der den Mate zubereitet hat, trinkt auch zuerst, weil der erste Aufguss immer der bitterste ist. Jedes Mal wird das Gefäß neu mit heißem Wasser gefüllt und dann an die nächste Person in der Runde gereicht, die ihn dann austrinkt und der servierenden Person wieder zurückreicht, die daraufhin wieder neues Wasser einfüllt.

Es existieren gefühlt ein paar hundert Regeln über die richtige Art des Trinkens, von der Zubereitung bis hin zur Richtung, in die der Mate weitergegeben wird. Scheinbar hat jeder so seine eigene Tradition entwickelt, aber eines bleibt gleich: Jemandem einen Mate anzubieten, sei es einem Freund, einem Arbeitskollegen oder einem Gast, ist ein Zeichen der Höflichkeit. Sein sozialer Charakter drückt sich aber auch darin aus, dass man sich zum Beispiel nicht „auf einen Kaffee“ trifft, sondern eben auf „ein paar Mate“.  Ich selbst trinke schon seit einigen Jahren liebend gerne grünen Tee, der ja durchaus ähnlich schmeckt und ziehe mehr oder weniger bittere Sorten vor, weshalb Mate für mich so etwas wie die Perfektion des grünen Tees darstellt und ich möchte ihn ungern wieder missen.

Natürlich habe auch ich mir die unvermeidliche Thermoskanne und einen Mate zugelegt, wie in dem Foto zu sehen. Der Mate ist aus Ton und gekauft habe ich ihn in Colonia, Uruguay, als kleines Andenken, das ich hoffentlich heile mit nach Hause bringen werde.

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Eine Antwort zu Was dem Deutschen sein Kaffee, ist dem Argentinier sein Mate..

  1. Rüdi schreibt:

    Den Mate muss ich unbedingt probieren, natürlich zubereitet von einer erfahrenen Mate-Genießerin.
    Die Frankfurter Kleinmarkthalle hat sicherlich die richtigen Zutaten zu bieten.

    Gefällt mir

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