Bericht Zwischenseminar

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Hallo alle zusammen! Bitte entschuldigt die Inaktivität die letzten Tage, aber ich war im Urlaub…Naja, jedenfalls fast. Also der Ort hätte schonmal gepasst!

Genau genommen hatte ich das sogenannte Zwischenseminar, das zur Evaluation des letzten halben Jahres und zur Planung der nächsten Hälfte dienen soll. Im Delta bei Tigre, in der Nähe von Buenos Aires habe ich also unseren Mentor und fünf andere Freiwillige getroffen und mit ihnen eine Woche in obigem Haus verbracht. Logischerweise haben wir bei den heißen Temperaturen viel Zeit im Pool verbracht, aber auch viel Zeit mit Reden.

Es war schön, sich mit den anderen auszutauschen, über Erfahrungen, Reisen, Probleme und Enttäuschungen. Interessant war, dass jeder seine eigenen, speziellen Probleme hat, wir aber alle fast das gleiche wollen für das nächste Jahr. Sich in der Organisation mehr anstrengen, die Sprache noch mehr verbessern, Freundschaften festigen…das alles sind Dinge, die ganz oben auf der Wunschliste stehen, bei uns allen. Zwei waren dabei, die die Organisation wechseln wollen, was ich traurig finde, sowohl für die beiden Freiwilligen als auch für die Organisationen. Was für ein Glück aber, dass es mir hier gefällt und ich zum Thema „Probleme in der Arbeitsstelle“ relativ wenig beizutragen hatte.

Viel wichtiger für mich persönlich fand ich allerdings das Thema „Persönliche Entwicklung und Dinge, die ich gelernt habe“.  Das Ziel eines Freiwilligendienstes ist ja (primär) auch die eigene Veränderung und der Lerneffekt, den man nach Hause tragen soll. Das Seminar hat dabei viel zum Nachdenken angeregt, aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich gar nicht weiß, ob ich mich verändert hab. Einige konnten deutlich sagen „Ja, ich bin extrovertierter geworden.“ oder „Ich bin kritischer der Gesellschaft gegenüber.“. Das kann ich gar nicht so. Jedenfalls nicht ohne ein „vielleicht“ mit einzufügen. Vielleicht bin ich auch kritischer geworden. Oder zumindest mutiger, was das Äußern meiner Meinung angeht (der Blog ist da ja schonmal ein Anfang). Ob ich offener geworden bin? Das weiß ich nicht, vielleicht ein bisschen. Wäre jedenfalls schön.

Auf jeden Fall sehe ich meine Zukunft klarer. Ich bin mir jetzt sicher, was ich studieren will und warum. Die Einzelheiten fehlen noch, aber hey: Ich habe ja noch ein halbes Jahr, um das auszuarbeiten.

Im Zuge des Seminars haben wir auch zwei Aktivitäten mit eingebaut, um ein bisschen von der Denkarbeit abzulenken. Einen Tag lang haben wir beim Hausbau mitgeholfen, als soziale Aktivität sozusagen. Bretter gesägt, Wandkonstrukte erstellt und Wege mit der Machete freigehauen. Einen anderen Tag haben wir in einer „eco aldea“, also einer Öko-Gemeinschaft verbracht. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Personen, die sich dort im Delta niedergelassen haben, um ein autarkes Leben anzustreben. Noch sind sie nicht dabei angelangt, aber es war schon interessant zu sehen, was sie bereits auf die Beine gestellt haben. Die Häuser sind alle selbst gebaut aus Holz und Lehm, mit allem, was gerade so zur Hand war. Ein Gemeindezentrum ist gerade im Aufbau, genauso wie der landwirtschaftliche Teil. Ein Nutzgarten besteht schon, genauso wie ein paar Obstbäume, ein Bienenstock und ein bisschen Federvieh. Beeindruckend war, mit den Leuten zu reden, die hinter diesem Projekt stehen. Autark zu leben, noch dazu in der Region, die sowieso schwierig zu erreichen ist (nur mit dem Boot und bei Hochwasser gar nicht), ist schon ein sehr extremer Schritt würde ich sagen. Schön war aber zu sehen, dass es sich um ganz normale Menschen gehandelt hat, wie du und ich. Mit Familie, mit Träumen, mit hübschen Klamotten. Keine weltverbessernden Aussteiger, die allen anderen ein schlechtes Gewissen einreden wollen und sich für die ultimativen Weltretter handeln (weil sie es wahrscheinlich mehr sind als jeder andere, aber egal.). Gleichzeitig hat man aber auch gesehen, dass es gar nicht so einfach ist, sich so ein Selbstversorgerleben aufzubauen. Der Anfang kostet Geld und Arbeit und noch mehr Arbeit. Und Erfahrung und Wissen und Lernen. Der Tag war ein sehr schöner Abschluss der Woche mit einem Mittagessen im Gemeindezentrum, einem Stellenhaus mitten im Schilf, mit wunderbarer Aussicht:

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