Wenn Barbie die Stasi ersetzt

Barbie überwacht das Kinderzimmer

 

Das Internet ist eigentlich eine großartige Erfindung. Ich finde es toll, gar keine Frage! Nur so kann ich über diesen Blog mit euch kommunizieren, kann trotz einem ganzen Ozean zwischen uns ohne Probleme mit Freunden und Verwandten telefonieren und alles, was ich wissen will bei Wikipedia nachschlagen. Es hat so viele Vorteile, dass ich es nicht mehr missen möchte, gar keine Frage. Versteht mich nicht falsch, das hier ist keine Hetzschrift gegen das Internet!

Mir fehlen nur so zwei Dinge, die sich Privatsphäre und Datenschutz nennen. Schonmal gehört? Nein? Also: Privatsphäre ist ein Bereich, der nicht öffentlich, also privat, ist. Das bedeutet, dass andere Menschen keinen Recht auf Zutritt zu diesem Bereich haben, man also ungestört tun und lassen kann, was man will. (solange man nicht die Grundrechte anderer Menschen verletzt versteht sich). Das Recht auf Privatsphäre und freie Entfaltung der Persönlichkeit ist sogar ein Menschenrecht. Datenschutz ist sehr eng damit verbunden. Unter diesem Begriff versteht man nämlich den Schutz vor missbräuchlicher Verarbeitung privater Daten, vor allem im Netz. Es gibt nämlich ein sogenanntes Recht auf informelle Selbstbestimmung, das besagt, dass grundsätzlich jeder über die Preisgabe und Verwendung personenbezogener Daten selbst entscheiden darf.

Und genau da liegt das Problem mit dem Internet. Durch die zunehmende Vernetzung wird es immer leichter für große Konzerne auf die Daten der Nutzer zuzugreifen. Der Weg zum gläsernen Menschen hat begonnen! Es fängt an mit der Überwachung unserer aufgerufenen Internetseiten, aufgrund derer dann die Werbung angepasst wird, die uns zum Beispiel Facebook oder Youtube präsentiert. Was noch? Ach ja, die Emails, die wir verschicken (nicht mal unbedingt der Inhalt, aber an wen, wann, wie oft..) wie viel Zeit wir vor dem Bildschirm verbringen und so weiter, bis hin zu unserem aktuellen Standort.

Es bleibt allerdings nicht nur bei unserem Laptop oder unserem Handy. Navigationsgeräte sammeln Informationen über unser Fahrverhalten, der intelligente Stromzähler über unseren Stromverbrauch (und gleichzeitig über die Zeit, die wir zuhause verbracht haben) und so weiter. Das neueste Produkt, das kürzlich in den USA veröffentlicht wurde geht allerdings noch einen Schritt weiter: Es überwacht die Kinder.

„Hello Barbie“ ist wie eine Barbiepuppe (die ja allein schon ein falsches Körperbewusstsein vermittelt), nur eben mit Mikrofon, WLAN-Schnittstelle und Lautsprecher. Das Prinzip erinnert an Siri, das bei den Applegeräten verbaut wurde. Durch drücken auf den Gürtel wird das Mikrofon aktiviert, das Kind spricht mit der Puppe und die Puppe antwortet. Sprechende Puppen sind ja nichts Neues, aber das ist wahrscheinlich die erste, die das Gesprochene auch speichert- zwei Jahre lang.

Lasst uns noch mal zurückblicken auf die informelle Selbstbestimmung. Das Gesetz besagt, dass jeder über die Preisgabe von Daten selbst entscheiden darf. Was passiert also nun mit den Kindern? Sie können doch noch gar nicht selbst entscheiden, wem sie ihre Daten preisgeben wollen und wem nicht. Meiner Meinung nach haben auch Kinder ein Recht auf Privatsphäre, die ihnen hier genommen wird. Alles, was sie also im Geheimen ihrem Spielzeug anvertrauen (ich weiß noch wie viele Gespräche ich mit meinen Kuscheltiere geführt habe), hören sowohl die Eltern als auch irgendwelche wildfremden Menschen. Kinder lernen so von klein auf, dass es normal ist, wirklich alles mitzuteilen. Sie werden sprichwörtlich ihrer Privatsphäre beraubt.

Ein weiteres Problem ist, dass Kinder in dem Alter, in dem sie mit Puppen spielen, doch noch gar nicht unterscheiden können, was real ist und was nicht. Dank etwa 8.000 vorprogrammierter Sätze kann die Helle Barbie nämlich passgenau antworten und sie sogar die Eigenheiten des Kindes merken. Die Frage ist doch allerdings: Wird jetzt die Puppe zu sehr vermenschlicht oder wird das Kind zum Objekt?

Was denkt ihr dazu? Ist das technologischer Fortschritt, der Eltern nützliche Informationen über ihr Kind geben kann oder ein gefährliches Spielzeug, dass uns einer Herrschaft durch Maschinen (siehe: Terminator) näherbringt?

 

 

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2 Antworten zu Wenn Barbie die Stasi ersetzt

  1. Hallo!

    Wow, das ist aber krass, so eine Puppe würde ich meinem Kind nicht schenken. Ich denke da geht auch die Kreativität vom Kind total verloren!

    lg
    Maria

    Gefällt 1 Person

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