Gedanken zu Paris

Als ich die Nachricht hörte war ich gerade dabei, ein Abendessen für Freunde vorzubereiten. Ich war so guter Laune, Zusammenkünfte dieser Art mit Essen, Musik und Freunden heitern mich immer auf, doch die fast minutenweise eintreffenden Meldungen aus Paris hinterließen mich in einer Art Schock. Zweimal war ich schon in dieser Stadt, die mir eine der liebsten auf der Welt ist, weil sie für mich ein Sinnbild ist von Leben, von Liebe und Freude und ich wurde die Bilder in meinem Kopf nicht mehr los.

Irgendwie habe ich den Abend rumgebracht, vielleicht weil ich weit genug weg bin, hier, am anderen Ende der Welt. Wir haben gefeiert, und angestoßen auf diejenigen, die es nicht mehr können. Doch immer noch sind meine Gedanken dort, in Frankreich und ich frage mich, was jetzt passieren wird. Wird es weitere Anschläge geben, wenn ja, wo? Wie wird Deutschland reagieren, die USA? Aber noch wichtiger ist die Frage, wie werden die Menschen reagieren? So ein Terroranschlag erzeugt Angst, ja, aber es ist Angst vor etwas Unbekanntem, weil wir nicht wissen, wer den nächsten Anschlag verüben wird. Ich fürchte, dass sich viele ihre eigenen Schuldigen suchen, in Leuten wie dir und mir, in Leuten, die nicht dafür verantwortlich sind. In den Flüchtlingen zum Beispiel, oder in den muslimischen Nachbarn.

Noch mehr verwirren mich allerdings die Reaktionen in den „sozialen“ Netzwerken. Mit nur einem Klick kannst du dein Profilbild in den Farben Frankreichs einfärben lasse, als Zeichen der Solidarität. Es ist gut, sage ich, Solidarität zu zeigen, mit den Opfern, den Familien und Angehörigen der Toten. Aber ist es mit einer Änderung des Profilbildes getan? Ich lege einen Blau-weiß-roten Filter über mein Gesicht, und das Terrorproblem ist gelöst? Nein, so einfach ist es nicht. Vor allem frage ich mich, warum diese Geste für Paris so populär ist, von den Medien so unterstützt wird, von vielen Städten, die ihre Wahrzeichen in den Farben Frankreichs beleuchten…Es ist schön, Solidarität zu zeigen, versteht mich nicht falsch und es ist schrecklich, was passiert ist, aber warum kann ich mein Bild nicht automatisch mit den Farben Syriens überlagern, oder Beiruts?

Ja, wir sollten uns Zeit nehmen, der Toten und Verletzten in Paris zu gedenken, aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass alle Menschen diese Aufmerksamkeit verdient haben, egal in welchem Land sie gestorben sind. Terror kennt keine Grenzen und für Solidarität sollte dasselbe gelten.

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Eine Antwort zu Gedanken zu Paris

  1. Strickliesl schreibt:

    Ja, diese Terrorangriffe zeigen uns immer wieder, wie machtlos wir eigentlich sind. Die Politiker werden es nicht ändern, es werden weiterhin Waffen in alle Welt verkauft und solange dies nicht aufhört, werden wir mit diesem Terror leben müssen. Es geht letztendlich immer nur um Geld, Geld und nochmals Geld! Selbst auf die Gefahr hin dabei das eigene Leben zu verlieren.
    Aber wir lassen den Kopf nicht hängen (und auch nicht im Sand stecken) und glauben weiterhin an das Gute und dass, wenn es wirklich einen Gott gibt, er nicht mehr so lange tatenlos zuschaut und uns einen Fingerzeig gibt, damit wir die Welt dann wieder etwas friedlicher gestalten können.

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