Ein Garten in Argentinien

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Was mache ich eigentlich in Argentinien?

Ich mache hier ein FSJ, also ein Freiwilliges Soziales Jahr, das zum Weltwarts-Programm gehört, also vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird.

Die Trägerorganisation ist deutsch, bei ihr habe ich mich zuerst beworben und an einem Kennenlernseminar teilgenommen. Danach konnte ich aus verschiedenen Organisationen wählen, die mit dem deutschen Träger zusammenarbeiten und mich bei ihnen bewerben. So bin ich schließlich bei der Fundación Biosfera gelandet.

Das ist eine (relativ) kleine NGO in Argentinien, die sich dem Schutz der Umwelt und der Biosphäre verschrieben hat. Die Fundación bietet viel Raum für Praktikanten, die aus Eigeninitiative, mit ihrer Universität oder so wie ich mit einer Freiwilligenorganisation hierher kommen und je nach Können und Wünschen verschiedene Projekte realisieren, die von wissenschaftlichen Nachforschungen über praktische Arbeiten alles beinhalten können.  Finanziert wird die Fundación vor allem über die Kurse, die hier angeboten werden, z.B. zum Thema Gemüseanbau im Garten, Bienenzucht, Naturkosmetik, Konservierung von Obst oder Herstellung von Bier. (Den zum Thema Naturkosmetik habe ich schon besucht: Super interessant, aber leider auf Spanisch und einige Dinge stehen halt auch nicht im besten Wörterbuch…)

Mein Projekt hier im Moment ist der ökologische Gemeinschaftsgarten, der in einem der etwas ärmeren Viertel der Stadt liegt, am Rande der sogenannten „Villas“ (Vorsicht, das ist ein sogenannter „amigo falso“, denn darunter versteht man Viertel mit Straßen ohne Asphaltbelag, wo die Menschen in Blechhütten ohne Strom-, Wasser- oder Kanalisationsanschluss „wohnen“).  Die Fundación besitzt dort ein kleines Grundstück, auf dem viele Praktikanten und Freiwillige vor mir einen Garten errichtet haben, von dem ihr einen Teil auf dem Foto und auf dem Header sehen könnt.  Insgesamt gibt es vier solche größeren Beete, von denen zweieinhalb allerdings unter Unkraut und Gras begraben lagen, als ich ankam. Weiterhin gibt es eine Kräuterspirale, die wahrscheinlich echt hübsch aussieht, wenn man sie denn sehen könnte und ein Gewächshaus, das aus einer Recyclingaktion von Plastikflaschen entstanden ist. Leider ist es mangels Pflege kaputt gegangen, aber ich habe Pläne es wieder instand zu setzen.

Im Großen und Ganzen ist die Arbeit im Garten also ein Fass ohne Boden und passt sich sehr schön der argentinischen Lebensweise an: Bloß nicht zu schnell und immer eins nach dem anderen. Inzwischen habe ich fast alle der Beete wieder freigelegt, es fehlen noch 4 oder 5 dieser Pflanzreihen und die Kräuterspirale, aber dafür habe ich schon die ersten Salate und Mangoldblätter geerntet und Mais, Erbsen und noch mehr Salat angepflanzt. Im „Hauptquartier“ der Fundación ziehe ich außerdem gerade mehrere Pflanzen aus Samen groß, z.B. Tomaten, Kürbisse, Basilikum und andere.

„Wow…Arbeit im Garten, wie spannend…und das wird vom Staat finanziert?“, mag sich jetzt sicher mancher denken, aber halt: Ich bin ja noch gar nicht fertig. Der Garten hat ja schließlich einen Sinn!

Er dient nämlich als Vorzeigeprojekt für die Leute im Viertel. Dass wir den Garten mit möglichst einfachen Mitteln bewirtschaften soll den Menschen zeigen, wie einfach es ist, biologisches Gemüse im eigenen Garten zu ziehen, denn ein Stückchen Erde haben hier die meisten. Der Garten soll also zum Nachmachen animieren, zum Mithelfen und zum Lernen. Wir hoffen, dass die Menschen das Konzept „urban Gardening“ bei sich zuhause kopieren und so preiswertes (dieser Punkt ist so ziemlich der Wichtigste) und umweltfreundliches Gemüse zu essen haben.

Was ist meine Rolle dabei?  Nun ja, Lernen fängt bei Kindern an und genau das versuche ich hier umzusetzen. Nach den ersten drei Wochen im Garten stand auf einmal ein kleines Mädchen am Zaun und fragte, ob sie in den Garten kommen dürfe. Klar, durfte sie, und mit der Zeit wurden es immer mehr Kinder. Sie kommen unregelmäßig, so wie sie gerade Zeit und Lust haben, aber das ist okay, denn sie sollen sich nicht verpflichtet fühlen. Wenn sie kommen helfen sie gerne mit und zeigen viel Interesse an der Arbeit. Trotz Verständigungsschwierigkeiten (so ein Kaugummi kauendes Kind, das nuschelt und in eine andere Richtung redet ist halt nicht gerade einfach zu verstehen) stellen sie viele Fragen zu den Pflanzen und wie und warum man dieses und jenes macht und freuen sich jedes Mal, wenn sie etwas anpflanzen oder ernten dürfen.

Ich hoffe, dass sie so mit Spaß die Vorgänge in einem Garten lernen und später mal anwenden, weil sie wissen wie es geht und es ihnen gefällt. So hat mein FSJ nicht nur mit klassischer Gartenarbeit zu tun, sondern besitzt auch einen sozialen Aspekt.

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2 Antworten zu Ein Garten in Argentinien

  1. pommelsheepy schreibt:

    Eine sehr schöne Aufgabe, viel Spaß…
    LG Sheepy

    Gefällt 1 Person

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