Fundstück aus dem Internet: Die neue Droge

In seiner Fotoserie Removed retuschiert der US-Fotograf Eric Pickersgill Handys aus den Fotos. Die so entstandenen Bilder sind gruselig…und erschreckend gut auf mein eigenes Leben anwendbar. Sie zeigen Familien, Paare, Freunde und alle haben eins gemeinsam: Den geschlossenen Mund und den zombiehaften Blick in die Ferne.
Fast jeder besitzt heutzutage ein Handy wenn nicht sogar ein Smartphone, ist ja schließlich praktisch so ein kleiner Allzweckhelfer, mit dem man Fotos machen, im Internet surfen, das Wetter draußen checken, SMS schreiben und sogar telefonieren(!) kann. Die Fotoserie macht einem meiner Meinung nach erst richtig bewusst, wie weit die Abhängigkeit in unserer Gesellschaft schon fortgeschritten ist. Natürlich ist es praktisch und erleichtert viele Dinge im Leben, aber was nützt uns das, wenn es uns soweit von unseren Mitmenschen entfernt? Hier in Argentinien merke ich zum ersten Mal, welchen Stellenwert mein Handy eigentlich in meinem Leben einnimmt. Zuhause hatte ich es immer bei mir und gefühlt ständig in der Hand, egal wo ich war, ob in der Schule, zuhause oder auf einer Party. Hier lasse ich es daheim wenn ich ausgehe und merke, dass ich auf einmal viel mehr mit den Menschen rede und ihnen aufmerksamer zuhöre. Wenn ich irgendwo rumstehe und warte kann ich so natürlich nicht mehr mein Handy rausholen und so tun, als würde ich mit jemandem schreiben, dafür habe ich Zeit, Leute zu beobachten und meine Umgebung genauer zu betrachten und entdecke Dinge, die mir sonst vielleicht entgangen wären.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Leute fallen mir ein, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Probleme im Gespräch zu lösen, sondern dies lieber über SMS klären…traurig, oder? Natürlich ist es einfacher, seine Gefühle oder Gedanken auszudrücken, wenn man der anderen Person dabei nicht in die Augen sehen muss und man hat genügend Zeit eine wohl überlegte Antwort zu geben, aber gleichzeitig baut man doch so eine Barriere um sich rum, wie eine Mauer aus digitalen Daten, die keine persönliche Nähe mehr zu lässt.

Nichtsdestotrotz: Internet ist eine tolle Erfindung und erleichtert die Kommunikation über weite Entfernung, deswegen möchte ich es nicht missen. Aber wenn ich mir eines vornehme, dann ist es dies: Wenn ich mit mehreren Personen in einem Raum bin oder auf einer Party, dann bleibt mein Handy vorerst in der Tasche, denn ich werde jetzt üben, mehr zu reden und wieder direkt zu kommunizieren mit allem, was auf der digitalen Ebene verloren geht: Gestimmt, Mimik, Betonung, Gefühle…  Damit von mir keine Fotos entstehen, die in diese Fotostrecke passen würden.

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